Hotel GSH 

(Green Solution House):

 

Eines der „grünsten“ 

Hotels und Konferenzzentren der Welt. 


 

Ich war ganz schön aufgeregt. Hoteldirektorin Trine Richter vom Hotel GSH auf der Insel Bornholm hat mir ein Interview versprochen. Das war der Höhepunkt auf meiner 1-wöchigen Reise nach Dänemark, um zu sehen, was die dänische Tourismusbranche unter Nachhaltigkeit versteht. Und es hat sich gelohnt. 

 

Ich muss zugeben, dass ich diese wunderschöne Insel bislang noch nicht „auf dem Radar“ hatte. Dafür nun umso mehr. Nachhaltigkeit wird auf der Insel ganz selbstverständlich gelebt. Sie ist das Geschäftsmodell in der Tourismusbranche - also in vielen Cafés, Restaurants, Pensionen und Hotels. Das Hotel GSH ist jedoch DER CHAMPION unter den Champions. 


Schon vor der Eröffnung in 2015 wurden sämtliche Nachhaltigkeitsaspekte bedacht und seitdem stetig umgesetzt. Ganze 75 Nachhaltigkeitsbereiche sind so entstanden und wurden zur DNA des GSH. 
 
Angefangen beim Bauen mit Holz aus lokaler und nachhaltiger Forstwirtschaft (statt Beton und Zement), über begrünte Hoteldächer und natürliche Biotope. Die wurden rund um das Hotel (insgesamt 65.000 qm) angelegt. Hier fühlt sich eine Vielzahl von heimischen Pflanzen wie zu Hause. Sogar Schafe weiden hier, halten die Pflanzen in Schach und versorgen den Boden mit bestem Dünger.

Hotelbalkone und Dachfenster sind für die eigene Stromproduktion mit Fotovoltaikzellen versehen.

Da versteht es sich von selbst, dass im Hotelrestaurant ein 100 % Bio-Frühstück mit starkem Fokus auf lokale Produkte serviert wird. Doch man ist nicht päpstlicher als der Papst: Es gibt ein Gourmetrestaurant für Meeting- und Konferenzgäste, das ebenfalls stark auf ökologische und regionale Produkte setzt, jedoch nicht ausschließlich. Und um einen Kreislauf zu bilden, werden Lebensmittelabfälle gesammelt und in einer Biogasanlage in Energie umgewandelt. 

 

Trine Richter, Hoteldirektorin, war von Anfang an dabei und berichtete mir über die Anfänge des GSH, über die Visionen und Stolpersteine. Und was sie jeden Tag aufs Neue antreibt, weiterzumachen. Bei einer Tasse Bornholmer Hanf-Tee wusste sie Interessantes zu erzählen. 

 

Was waren die größten Herausforderungen? 

Trine: Herausforderungen gab es in den Anfangszeiten mehr als genug und gibt es natürlich auch heute noch. 

Offen gestanden hatten wir damals nicht viel Ahnung von der Baubranche und auch nicht von nachhaltigen Baumaterialien. Ich selbst komme ursprünglich aus der Bankenbranche und hatte zu der Zeit erst fünf Jahre in einem Hotel gearbeitet. Auch in Sachen Nachhaltigkeit gab es sehr viel zu lernen, beispielsweise wie man ein nachhaltiges Hotel baut und führt. 

Das GSH gibt es seit 2015. Wie ist es dazu gekommen?

Trine: Im Jahr 2007 hatten ein paar Leute und ich die Idee, ein Konferenzzentrum zu erschaffen, das in Sachen Nachhaltigkeit so interessant ist, dass Menschen extra kommen, um dies zu sehen und zu erleben. Schnell war klar, dass ein Konferenzzentrum allein nicht wirtschaftlich sein kann und Schlafmöglichkeiten anbieten muss, um Geld zu verdienen.

Ein Jahr später wurde ich von der Stadt eingestellt, um dieses Projekt zu verwirklichen. So sammelte ich Investorengelder ein, was während der Finanzkrise kein leichter Job war. Aber es hat funktioniert. Und so konnten wir ein bereits bestehendes Hotel übernehmen. Wir renovierten die Bestandsimmobilie und renovierten und bauten einen gänzlich neuen Hotelteil dazu, das Konferenzzentrum. 

 

Wie hast Du die Schwierigkeiten überwunden?

Trine: Ich wusste, was ich haben will, aber wie wir dort hinkommen, war eine Art großes Puzzle, das ich Stein für Stein zusammengesetzt habe. 

Meine Ahnungslosigkeit in Sachen nachhaltige Hotels war zwar manchmal hinderlich. Gleichzeitig hat sie es mir aber erlaubt, in einer unkonventionellen Art an viele Dinge heranzugehen. Ich habe das Puzzle einfach auf meine Weise zusammengestellt. Und das war oft gar nicht so schlecht und hat sogar beeindruckt. Es ist mir beispielsweise gelungen, einen Investor nur deshalb zu gewinnen, weil es ihm gefallen hat, wie ich auf gänzlich neue Art mit Produzenten kooperiere. Beispielsweise arbeiten wir sehr eng mit der Firma VELUX zusammen, die extra für uns Fenster mit Fotovoltaikzellen entwickelt hat. Mittlerweile nutzt VELUX unser Hotel als Showroom für ihre Kunden. Eine klassische „Win-Win“-Situation. 

 

Ist Eure Vision wahr geworden und Gäste kommen vor allem deshalb, weil sie die Einzigartigkeit Eures Nachhaltigkeitskonzepts kennenlernen möchten? 

Trine: Ja, viele Gäste kommen extra deshalb zu uns. Und ich gebe unser Wissen auch sehr gerne weiter und spreche z. B. auf Konferenzen über unsere Erfahrungen. 

Was treibt Dich an? 

Trine: Natürlich mag ich es sehr, dieses Hotel zu leiten. Aber was mich antreibt, ist das größere Bild dahinter. 

Der Tourismus ist nach der Landwirtschaft der zweitgrößte Wirtschaftszweig auf Bornholm. Tourismus hat somit auch großen Einfluss auf unsere Arbeitsplätze auf der Insel. 

Jedes Jahr kommen durchschnittlich 500.000 Touristen nach Bornholm. 60 % kommen in den 10 Sommerwochen im Juli & August. Somit haben wir, außerhalb dieser 10 Wochen, sehr viel weniger Arbeitsplätze auf der Insel. Mein Job ist es, das zu ändern. Ich möchte Menschen dazu bewegen, dass Sie auch in anderen Monaten auf die Insel kommen. Das würde Arbeitsplätze schaffen, nicht nur bei uns im Hotel. Sondern davon würden viele Unternehmen auf der Insel profitieren, wie Busunternehmen, Museen, Restaurants, u. v. m. Wenn wir erfolgreich sind, führt das also zu mehr Einkommen bei den Menschen. Was wiederum höhere Steuereinnahmen für die Insel zur Konsequenz hätte und es ermöglichen würde, dass in die Entwicklung der Insel investiert werden kann. 

Das ist es, was mich jeden Tag antreibt und meiner Arbeit Sinn gibt. Und mich um mein direktes Umfeld, also die Insel zu kümmern, ist für mich DER Nachhaltigkeitsaspekt überhaupt. 

 

Und wie steht es mit Mitarbeitenden? Habt Ihr viele Bewerbungen von Menschen, die Wert auf ein nachhaltiges Arbeitsumfeld legen? 

Trine: Oh ja, viele. Und das war von Anfang an so. Mitarbeitende kommen zu uns und möchten Teil der nachhaltigen Agenda sein. Und das quer durch die Bank. Rezeptionist*Innen genauso wie Köchinnen und Köche, die mit biologischen und regionalen Produkten arbeiten möchten. 

 

Wie bist Du zu den Kenntnissen über Nachhaltigkeit gekommen? 

Trine: 

Die Ideen rund um das Gebäude haben wir mit den Architekten von 3XN, den GXN-Designspezialisten und mit vielen Produzent*Innen zusammen entwickelt. Das war sicherlich nicht einfach, aber gab uns eine Richtung vor, der wir folgen konnten. 

Es ist jedoch eine Sache, ein nachhaltiges Hotel zu bauen. Jedoch eine ganz andere Sache, das Hotel nach dem Bau auch zu führen. Das ist sehr komplex. Denn was genau ist überhaupt Nachhaltigkeit? Wo fängt man an und wo hört man auf? 

 

Ist das eine Mission? 

Trine: Es gibt viele Menschen, die fanatisch sind beim Thema Nachhaltigkeit. Ich bin es nicht. 

Ich denke nicht, dass wir die Besten oder die Größten sind, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wir haben einfach eine Richtung gewählt, die nun Teil unserer DNA ist. 

Immer wenn ich mich für ein Produkt entscheiden muss oder für eine Art und Weise etwas zu tun, versuche ich zu analysieren, was heute möglich ist. Dabei berücksichtige ich wirtschaftliche Aspekte, aber auch ästhetische und beispielsweise auch Zertifikate. Das ist sehr viel Recherchearbeit und eine nie endende Aufgabe. 

 

 

Und wie gehst Du bei der Recherche vor? 

Trine: Ich nutze meinen gesunden Menschenverstand. 

Eine ältere Dame von der Insel fragte mich einmal, was das Nachhaltigste sei, was wir hier im Hotel machen? Und ich sagte ihr, dass sie ganz sicher viel mehr über Nachhaltigkeit weiß als ich. 
Wie die Menschen ihrer Generation damals gelebt haben, war mehr als nachhaltig. 

Damals hat man keine Erdbeeren aus Israel gegessen. Und Essensreste hat man am nächsten Tag verwertet. Organische Abfälle wurde den Hühnern verfüttert oder kompostiert. 

Dieses Wissen greifen wir im GSH wieder auf. Beispielsweise werden unsere Lebensmittelabfälle in einer Biogasanlage in Energie umgewandelt, anstatt dafür zu bezahlen, dass sie abgeholt und verbrannt werden. 

Das ist nur ein Beispiel, um zu verdeutlichen, was ich mit gesundem Menschenverstand nutzen meine. Klingt leicht, ist es aber nicht. Aber wir tun unser Bestes. Ohne dabei fanatisch zu sein. 

Welcher Nachhaltigkeitsaspekt liegt Dir besonders am Herzen?

Trine: Wenn wir über Nachhaltigkeit nachdenken, kommen wir oft erst einmal auf Themen wie z. B. nachhaltiges Bauen oder Energie. 

Aber für mich hat natürliches Tageslicht im Hotel auch sehr viel mit Nachhaltigkeit zu tun. Es ist einfach besser für uns Menschen, wenn wir uns viel in natürlichem Tageslicht aufhalten, anstatt im Kunstlicht. Es ist besser für unsere Mitarbeitenden, für mich selbst und auch für unsere Gäste.

 

Wir haben beispielsweise unsere Konferenzgäste im Rahmen einer Universitätsstudie befragt: „Wie fühlt Ihr Euch, wenn Ihr ein Meeting im GSH habt“? Und die Gäste haben geantwortet, dass sie im GSH sehr viel wacher und konzentrierter waren als bei anderen Konferenzen. Das ist dem vielen Tageslicht geschuldet.

 

Welchen Rat hast Du für Menschen, die ein nachhaltiges Restaurant oder Hotel starten möchten? 

Trine: Sprecht mit Menschen, die damit schon Erfahrungen gesammelt haben. Menschen, die Euch vor Fehlern bewahren können. 

Deshalb teilen auch wir unsere Erfahrungen sehr gerne. Ich glaube, dass Menschen besonders beim Thema Nachhaltigkeit das generell so halten. 

Wir kooperieren beispielsweise mit einer nachhaltigen Hotelkette, Guldsmeden Hotels, und sehen diese nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. Diese Hotelkette profitiert z. B. von unserem Wissen über die Nutzung von bestehenden Gebäuden, mit all den behördlichen Auflagen etc. die es dort zu beachten gibt. Und wir nutzen deren eigens entwickelte Kosmetikprodukte wie Seife, Shampoo & Conditioner in unseren Hotelzimmern, die großartig sind. 

Mein Rat an Neulinge ist es also selbst zu helfen, wo es möglich ist und von der Erfahrung anderer zu profitieren. 

 

Lass uns über Geld sprechen. Ist ein nachhaltiges Konzept wirtschaftlich? 

Trine: Mit gutem Beispiel voranzugehen ist leider teuer. Aber ich finde es nichtsdestotrotz richtig und wichtig das zu tun. Nehmen wir noch einmal das Beispiel Shampoo. Natürlich könnten wir ein Shampoo verwenden, dass ökonomisch sinnvoll, also günstig ist. Aber ich persönlich mag diese Shampoos nicht. Sie fühlen sich im Haar nicht gut an und haben oftmals Inhaltsstoffe, die wir weder im Haar noch im Abwasser haben wollen. Daher habe ich mich für eine zwar teurere, aber im Sinne des Wohlfühlens bessere Alternative entschieden. 

 

Mein Rat ist es, mit Kaufentscheidungen zu warten, bis man sich das richtige Produkt leisten kann. So wie wir es auch im Privatleben machen. 
Also: verdiene Geld und spare es, solange bis Du Dir das richtige Produkt leisten kannst. 

Wie geht es weiter mit dem GSH?

Trine: Aktuell bauen wir gerade 24 Zimmer und einen Konferenzraum für 30 Personen. Und auf dem Dach wird eine Oase für Gäste entstehen, mit Sauna und Entspannungszone. Das Gebäude ist eine Holzkonstruktion und einige Möbel werden aus den Holzabfällen der Holzbauarbeiten entstehen. 

Ansonsten sind erst einmal keine neuen Bauprojekte geplant. Wir möchten aber weiterhin daran arbeiten, uns Schritt für Schritt weiter zu verbessern. Die Reise geht weiter und ich freue mich darauf. 

 

Aus dem Gespräch mit Trine Richter habe ich SO VIEL mitgenommen! Nicht nur eine Vielzahl von Nachhaltigkeitsideen, die dort schon erfolgreich umgesetzt wurden und die funktionieren. 

Sondern insbesondere auch, was alles möglich ist, wenn man eine klare Vision und Mission seines täglichen Tun´s hat. Und was Kooperationen alles bewirken können. 


Also: Geh los und kooperiere, was das Zeug hält. Insbesondere mit Menschen, die ähnliche Werte haben wie Du selbst! 

 

Deine Sandra

DAS HELDEN ATELIER 

28. September 2021

Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, nach Bornholm zu reisen, findet hier Informationen zur Insel:

https://bornholm.info/de/